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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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ſie ſcherzte und lachte, ſie gab Feſte und berief ihre Ver⸗ trauten zu den myſtiſchen Feſten, welche in der Eremitage ſtatt fanden.

Auch heute, am achten November, hatte die Kaiſerin ihren Freunden in der Eremitage ein Feſt gegeben. Aber früher als ſonſt, ſchon um ſieben Uhr Abends hatte ſie ſich zurückgezogen, weil ſie, wie ſie ſagte,vom vielen Lachen Kopfweh bekommen habe.

Ich will ſchlafen, ſagte ſie,um morgen deſto friſcher und heiterer zu ſein. Gute Nacht alſo, meine Freunde, gute Nacht!

Und ſie zog ſich in ihre Gemächer zurück. Aber ſie hatte kaum ihr Kabinet betreten, als der dienſtthuende Kammerherr den Generalgouverneur von Petersburg, Gra⸗ fen Arkarow, meldete, der Ihro Majeſtät in einer dringenden Angelegenheit zu ſprechen verlange.

Katharina befahl, ihn eintreten zu laſſen, und ging ihm lebhaft einige Schritte entgegen.

Du ſiehſt heiter aus, und Deine Augen blitzen wie die eines Tigers, der eine Beute entdeckt hat, ſagte die Kaiſerin lächelnd.

Wahrlich, Eure Majeſtät verſtehen es, in den Augen der Menſchen zu leſen, rief Arkarow.Ja, ich habe eine Beute entdeckt, und ich hoffe, daß Eure Majeſtät mit mir zufrieden ſein werden.

Nun, was giebt's? fragte Katharina, auf den

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