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Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
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Prozeß gegen Armfelt anhängig machen, deſſen Grauſamkeit und Un⸗ gerechtigkeit zu ſeiner Zeit ganz Europa mit Abſcheu und Entſetzen erfüllte. Baron Armfelt ward in contumaciam zum Tode verur⸗ theilt, ſeine Geliebte, die Gräfin Rudenſtöld, ward ihrer Titel und ihres Namens beraubt, auf öffentlicher Schandbühne geſtäupt und auf Lebenszeit in's Zuchthaus gebracht. Dem Baron Armfelt gelang es indeß, aus Kaluga zu entfliehen und ſich nach England zu retten. Nachdem der König Guſtav Adolf ſelbſtſtändig die Regierung über⸗ nommen, befahl er eine Reviſion des Prozeſſes, und die Folge davon war daß das Urtheil annullirt und die Angeklagten für ſchuldlos der ihnen angeſchuldigten Verbrechen erklärt wurden. Baron Armfelt ward in alle ſeine Titel und Würden wieder eingeſetzt, ebenſy die unglückliche Gräfin Rudenſköld. In den Jahren 1806 und 1807 befehligte Armfelt einen Theil der ſchwediſchen Armee, die in Pom⸗ mern ſtand, ſpäter, als der König Guſtav Adolf ſeines Thrones ent⸗ ſetzt ward, zog auch Armfelt ſich in die Verborgenheit zurück. Bald indeß drohte ihm neue Gefahr, man beſchuldigte den Baron von Armfelt, eine Verſchwörung angezettelt zu haben, um den Sohn Guſtav Adolf's, Guſtav, auf den Thron von Schweden zu ſetzen. Der König Karl XIII. erließ einen Verhaftsbefehl gegen Armfelt. Es gelang ihm, ſich zu retten und nach Rußland zu entfliehen, wo ihn Kaiſer Alerander zum Gouverneur von Finnland ernannte. Als ſolcher ſtarb Baron Armfelt im Jahr 1830.