Druckschrift 
Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

223

ergötzen, während die beiden jungen Großfürſten, ſeine Söhne, kaum von ihren Gemahlinnen beſchwichtigt und zurückgehalten werden konnten, und laut erklärten, ſie wür⸗ den von dem König von Schweden Genugthuung fordern für dieſe ihrer Schweſter angethaene Beleidigung. Die Damen und Cavaliere flüſterten leiſe mit einander, wagten aber, da die Kaiſerin noch immer ſchwieg, nicht ihrer Ent⸗ rüſtung laute Worte zu geben, ſondern ließen nur ihren Zorn aus den Blicken ſprechen, die ſie auf die Thür hef⸗ teten, durch welche der König eintreten mußte.

Jetzt endlich öffnete ſich dieſe Thür, aber es war nicht der König, welcher da eintrat, ſondern der Fürſt Platon Zoubow.

Ein athemloſes Schweigen entſtand in dem Saal, ſelbſt die Großfürſten verſtummten mit ihren zornigen Dro⸗ hungen, ſelbſt das ſpöttiſche Lächeln verſchwand aus dem Antlitz des Großfürſten Paul. ZJedermann fühlte und wußte, daß die endliche Entſcheidung nahe, aller Augen folgten daher dem Fürſten Zoubow, der haſtig den Saal durchſchritt und ſich von der Rückſeite her, dem Thron⸗ ſeſſel der Kaiſerin näherte.

Zetzt ſah man Zoubow ſich zu der Kaiſerin nieder⸗ neigen, ſah man, wie die Groffürſtin Alexandra, in dieſem Augenblick der Entſcheidung aller Etiquette vergeſſend, ihr