Druckschrift 
Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

205

von dem Kinde Abſchied nehmen, das ſich nun in eine Braut verwandeln wird. Sie, meine Damen, bitte ich, ſich in den Salon zu unſern Cavalieren zu begeben, und uns dort zu erwarten.“—

Die letzte der Damen hatte noch nicht die Schwelle des Zimmers überſchritten, als die Großfürſtin Alexandra durch die entgegengeſetzte Thür eintrat.

Sie ſah ſchön aus in dieſem reizenden und zugleich glänzenden, ruſſiſchen Coſtüm, das ihr die Kaiſerin heute zum Brautſtaat geſandt hatte, und das ſchon an ſich von wunderbarer Schönheit war. Das Untergewand von wei⸗ ßem Sammet war mit Silber geſtickt, und reich verziert mit den herrlichſten Silberſpitzen, die in ihrer Zartheit und Durchſichtigkeit einen wunderbaren Contraſt bildeten zu dem ſchweren, weißen Hermelin, der das Oberkleid von weißem Sammet einfaßte. Die Stickerei über dem Pelz⸗ beſatz war aus Perlen, leichten Silberranken und Brillanten wie von Feenhänden zuſammengefügt, Brillanten und Perlen bildeten die Knöpfe des eng anſchließenden Mieders, das die ſchöne, zarte und doch volle Büſte der Prinzeſſin auf das wundervollſte hervorhob. Ihr blondes Haar, das in langen, dicken Locken zu beiden Seiten ihrer reinen, durchſichtigen Stirn niederrollte, war oberhalb derſelben von einem aus Diamanten und Perlen beſtehenden Diadem zuſammengefaßt, das mit Perlenſchnüren hinterwärts an