Druckschrift 
Die letzten Lebenstage Katharina II : historische Novelle / von L. Mühlbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

erſchien. Er ſtreckte mir die beiden geballten Fäuſte ent⸗ gegen und ſchrie:„Ich will Dich lehren, meinen Lieblings⸗ hund zu mißhandeln. Führt ihn fort. Hundert Knutenhiebe werden ihn lehren, künftig meine Hunde mit mehr Reſpect zu behandeln.“— Ich ſchrie laut auf vor Schmerz und Wuth; ich fühlte, daß ich wahnſinnig werden würde bei dem erſten Knutenſtreiche, der meinen Rücken berührte.— In dieſem Moment öffnete ſich da drüben die Thür, und die Kaiſerin, ſtrahlend in Hoheit und Milde, leuchtend wie die Sonne, welche die Nacht in den ſtrahlenden Tag ver⸗ wandelt, die Kaiſerin erſchien auf der Schwelle. Der Schrei meiner Verzweiflung hatte ihr Ohr getroffen und ſie war, dem Zuge ihres großmüthigen Herzens folgend, in den Vorſaal gekommen, um nach dem Unglücklichen zu forſchen, deſſen Schrei ſie vernommen. Ein Strahl ihrer ſonnigen Augen traf mein bleiches, ſchmerzverzerrtes Ant⸗ litz traf meine Seele, daß ſie die Kraft fand, dem Körper zu gebieten. Meine Arme ſchleuderten wie leichte Federn die vier Häſcher zurück, die mich fortſchleppen wollten ich ſtürzte zu der Kaiſerin hin, umklammerte ihre Kniee und ſchrie:„Czarina, rette Deinen Sclaven vor der Schande und der Knute!“— Sie ſchaute zu mir nieder mit einem langen, ſeltſamen Blick, ihre wunderbar leuchtenden Augen ſchienen in der Tiefe meines Herzens zu leſen, meines Herzens, in welchem ſchon ſeit lange die Czarina als ein⸗

—