Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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licher Leiden willen, was ſeine Seele als wahr erkannt; Huß duldete des Feuertodes Qualen und ſang unter ſeinen Martern das Lob ſeines Glau⸗

bens! Auch ich dulde Todesqualen, aber ich widerrufe nicht. Sie gingen in den Tod für ihren Glauben, ich werde leben, ach,

und das iſt ſo ſchwer! Aber ich will muthig und gefaßt ſein, Sie ſollen Ihre Freundin Ihrer würdig ſehen, ich will den Schmerz be⸗ ſiegen, ich will ſtark ſein. O welche Kraft liegt in der Seele des Menſchen, wenn er ſie nur an⸗ wenden will, wenn er nur den göttlichen Funken in ſich nicht verkennen will! Ich habe meine Kraft erprobt, und nun weiß ich, daß ich leben kann, daß auch in mir ein Theil jenes erhabenen Gei⸗ ſtes, den wir Gott nennen; nun weiß ich, daß wir auch der Leiden bedürfen, um uns zu kräf⸗ tigen und zu erheben. Wer niemals recht weinte, wird niemals frei ſich über das Irdiſche erheben können, unter Thränen glänzt uns die Welt, die Menſchen und die Gottheit. IHch reiſe heute noch und weiß, ſie werden vorher noch zu mir kommen!

Der Wagen ſtand bereit, Alles war zur Abreiſe fertig, aber Emilie kam noch immer nicht.

ſie das Hanpt auf ihre Hand geſtützt, ihr Geſicht war geiſterbleich, die Augen blickten zu Boden und langfam vollten ein paar Thränen unter den

Sie ſaß in ihrem Bondoir; ſchwermüthig hatte

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