Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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Freude, und auch für die Liebe. Ich werde keine zweite Liebe haben! Ich glaubte einſt an die Ewigkeit der Liebe, nun aber weiß ich, daß ſie enden kann, und daß man es überleben kann,

ſollte ich noch einmal mich ihren Entzückungen

ihren Qualen und Täuſchungen hingeben? Nein Ernſt, es iſt vorbei, Du warſt meine erſte Liebe, und wirſt auch die letzte ſein! Und wenn mein Herz ſich einſam fühlt und verlaſſen, wenn es weint und klagt nach Dir, dann will ich flüchten in deine Arme, Kunſt, und du wirſt mich tröſten und mir Muth geben! Eine große Be⸗ ſtimmung iſt mir geworden, dich ſollte ich ver⸗ herrlichen, deine Prieſterin ſollte ich ſein, dein Feuer ſollte ich hüten. Aber ich nährte noch eine andere Flamme, du ſtrafteſt es. Nun kehre ich zu dir zurück mit blutender Bruſt, todesmatt, nimm mich wieder auf, heile mich, lehre mich nicht vergeſſen, aber ruhig ſein und das Leben ertragen! Lebe wohl, Ernſt, ich rufe es Dir zu aus voller, aus bewegter Seele! Noch ein⸗ mal lehne ich mich im Geiſte wie ſonſt an Deine Bruſt, und blicke in Dein liebes Geſicht, das die Sonne meines Lebens war ſie iſt mir unter⸗ gegangen und in mir iſt es Nacht! Lebe glück⸗ lich, laß Deine Tage nicht getrübt werden durch mein Bild, denke an mich, wie Du einer Wolke gedenkſt, die einſt über Deinen Himmel zog und ihn einen Angenblick trübte, der Wind