Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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es iſt eine Schwäche, ich würde dann wider⸗ rufen, was ich durch mein ganzes Leben behaup⸗ tete, daß der Menſch höher ſtehen ſoll, wie das Schickſal, daß er dieſes beherrſchen ſoll, nicht ſich beherrſchen laſſen. Ich ſage Dir aber, es iſt ſchwer, ſehr ſchwer zu leben, dem Unglücklichen hat der Tod etwas ſo Lockendes, er iſt das ſtille Aſyl, in das er flüchten möchte vor allen Stür⸗ men. Aber es iſt eine Erniedrigung ſeiner Selbſt, ſeiner Würde als Menſch. So nehme ich es denn an, dies Leben ohne Freude und ohne Luſt, ſo nehme ich es denn an und will nicht zagen und murren! Im ſtolzen Uebermuthe wollte ich mich erheben über die Welt, wollte zweien Göt⸗ tern dienen, der eine mußte ſinken vor dem andern. Vor dir, meine Kunſt, lege ich nun mein blutendes Herz nieder, du allein ſollſt Woh⸗ nung darin haben wirſt du die Wunden heilen, welche die Liebe mir ſchlug? Ja du wirſt es, aber die Narben werden nicht verharſchen. Nein, ſie ſollen es auch nicht! Ich will nicht vergeſſen, daß ich einſt glücklich war, ich will ſchwelgen in der Erinnerung, und zu den vergangenen Zeiten ſagen: weicht nicht von mir, bleibt bei mir, denn auch in der Erinnerung noch ſeid ihr die Wonne meines Lebens! Ja, Ernſt, ſo werde ich Dein Bild in meinem Herzen tragen, ſo wird es nim⸗ mer aus demſelben weichen! Der Menſch em⸗ pfindet nur einmal jungfräulich für Schmerz und