Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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nun wie vernichtet auf einen Seſſel. Krampfhaft

hob ſich ihr Buſen und ihr Auge war ſtarr und thränenlos. Sie hatte keine Erinnerung, keine Gedanken, ſie war betäubt von dem erſchütternden Schlage.

Der erſte Krampf ging vorüber, und nun kam ihr die Erinnerung, und nun weinte ſie. Ströme von Thränen rannen unaufhaltſam über ihr bleiches Geſicht, ſie gab ſich ganz ihrem Schmerze hin, ſie ließ austoben ihre innere Qual, ſie ſchloß ihr Auge nicht in weibiſchem Zagen vor dem über ſie hereingebrochenen Unglück, ſie ſchaute kühn es an und gab ihm ihre Bruſt hin, darin Wohnung zu nehmen.

Nur große Seelen haben die Fähigkeit recht unglücklich zu ſein, oder auch recht glücklich, weil ſie allein auch großer und bewältigender Ein fähig ſind.

Emilie war glücklich geweſen mit ganzer

Seele, ſie mußte nun unglücklich ſein mit

ganzer Seele. Doch ſie war auch ſtark, ſie beſaß einen kräf⸗ tigen Geiſt, ſie kämpfte mit dem Schmerze und ſie

bezwang ihn. Nachdem das Weh aus ihr ge

weint, richtete ſie ſih auf an ihrer Kraft. Sie trocknete ihre Augen, ſtand auf und ging feſten Schrittes auf und ab. Zuweilen wohl noch ho⸗ ſchwere, bange Seufzer ihre Bruſt, ſie unter⸗ drückte ſie;ich will ruhig ſein, flüſterte ſie und