die Oeffentlichkeit paßte. Aber man hat gedacht,“
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Dann ging ſie ſchweigend einigemal auf und ab, es ſchien, als wolle ſie mit Gewalt ihre Ge⸗ fühle beherrſchen. Auch gelang es ihr; die dunkle Glut ihrer Wangen verlor ſich und ihr Athem ging wieder ruhig, und als ſie nun ſprach, war ihre Stimme klar und feſt.
„Lebe wohl, Ernſt,“ ſagte ſie und trat ihm näher,„lebe wohl, und mögeſt Du nie mit Reue dieſer Stunde gedenken.— Ich beklage Dich,— Du haſt Dich ſelber verloren, nicht ich Dich. Denn ſiehſt Du, der Ernſt, den ich liebte, das biſt Du nie geweſen,— das weiß ich nun.— Der, den ich liebe, den werde ich immer lieben, ich ſchwur es ihm geſtern, meinem Geliebten.— Dieſer Ernſt hier, das iſt nur Ihr Freund,“ wandte ſie ſich zu Carl, der ohne Scheu ihrem Blicke begegnete.„O, um Alles möchte ich nicht an Ihrer Stelle ſein, Herr Graf, denn— ich ſage Ihnen, Sie ſind ein Ungeheuer.“
„Vielleicht ein bezaubertes?“ fragte Carl— „verſuchen Sie, mich zu erlöſen.“
Sie ſah ihn verächtlich an,— dann gleitete ihr Blick zu den Herren, die Alle vor dieſem Blicke das Auge ſenkten, als wollten ſie es ihr erſparen, in ihrem Auge ihr Mitgefühl zu leſen.
„Meine Herren,“ ſagte ſie mit der Würde und Hoheit einer Fürſtin,„man hat Sie hier zu Zengen einer Scene gemacht, die wohl nicht für


