Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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O, ſagte ſie zornig und faßte krampfhaft

ſeine Hand,Sie haben ihn mir entriſſen.

Schönſte, Sie ſchwärmen, ſagte er und lachte höhniſch,nein, er ſelbſt entriß ſich Ihnen.

Er jelbſt? fragte ſie tonlos. Und ſie ſtürzte zu ihm hin und ſie ſank vor ihm nieder, und mit herzzerreißender Stimme

t⸗ ſie:O ſag', daß es nur ein Spiel war! Du wollteſt nur ſehen, ob ich Dich liebe, wollteſt

das an meinem Erſchrecken ſehen. Ach, Ernſt, es war ein böſes, ein grauſames Spiel, aber ich will nicht murren! O Ernſt, nicht wahr, es kann nicht ſein?

Es lag etwas Herzzerreißendes in dieſem unerſchütterlichen Vertrauen, in dieſem Lächeln! Manches Auge wandte ſich ab, und manches, noch ſo ſehr in Weltluſt befangene Herz tadelte bitter des Grafen Härte, der jetzt mit ruhiger Stimme ſagte:

Nein, Emilie, glaube mir, es iſt wahr. Sieh doch die Karte an, die ſagt Dir Alles.

Alſo wahr, murmelte ſie und hob mechaniſch die Karte vom Fußboden auf und überflog ſie dann ſchien ſie Alles begriffen zu haben, ſie hob ihr Haupt, es war ernſt und ſtolz, ſie rich⸗ tete ihre Geſtalt auf und ſtand da wie eine zür⸗. nende Königin.

Es iſt gut ſo, ſagte ſie, und ſelbſt ihre Stimme zitterte nicht,es iſt gut ſo. Du biſt frei, Ernſt, völlig frei.