Spätherbſt treibt die Blätter von den Bäumen,— in uns aber iſt es Frühling geblieben, keine Blume unſeres Herzens iſt gebrochen.— Wäre es mög⸗ lich, könnte man noch inniger lieben, wie ich Dich damals ſchon liebte, ſo möchte ich ſagen, es iſt ſo. Mehr noch, inniger noch gehört Dir meine Seele, iſt eins mit der Deinen. Fühlſt Du nicht auch ſo?“
„Ich fühle auch ſo,“ ſagte er mechaniſch ihr nach, und wußte kaum, was ſie geſagt. ₰
„O mein Ernſt,“ ſagte ſie dann wieder mit den ſüßeſten Liebestönen,„könnte ich Dir nur ein⸗ mal, einmal ſagen wie glücklich ich bin, durch Dich es bin. So ſelig, daß ich oft fürchte, es muß enden, dies Glück.— Schilt mich, ſage mir, daß ich eine Thörin bin.— Du liebſt mich ja, und wirſt mich immer lieben!“
Ernſt lachte kurz und trocken:„ich werde Dich immer lieben,“ ſagte er, und ſeine Stimme war hart und rauh.
„Weißt Du,“ ſagte ſie, und zog zärtlich ſeine Hand an ihre Lippen,„weißt Du, daß ich Dich auch lieben würde, ſelbſt wenn Du mich vernich⸗ teteſt? O ich fühle es, ich würde Dir Alles,
Alles vergeben, ich würde zufrieden ſein, wenn
ich nur zu Deinen Füßen ſterben könnte. Ster⸗ ben, durch Dich,— ach, es muß ſo ſüß ſein für Dich zu leiden!“
Ernſt wollte ſprechen, er vermochte es nicht,


