Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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neres wie ein Wahnſinn, wie eine Raſerei, es tobte in ihm wie verzehrende, vernichtende, mör⸗ deriſche Glut, es war die Verzweiflung, die Reue, die Qual innerer Vorwürfe. Ich möchte ſie morden, dachte er, und legte wie prüfend ſeine Finger um ihren Hals. Sie ſah von ſeiner Bruſt zu ihm auf und lächelte, und ſeine Finger löſten ſich wieder ach, ſie war ſo vertrauens⸗ voll! Ich könnte jetzt ihr Alles ſagen, dachte er wieder, ich könnte ſie todt zu meinen Füßen liegen ſehen, ich könnte die Bruſt ihr öffnen und ſehen, ob ihr Herz noch ſchlägt. O, in dieſem Momente könnte ich Alles wagen, und doch lieb' ich ſie bis zur Raſerei. Wohlan, ſo will ich ſchweigen, nur dieſen Abend noch ihr Geliebter ſein.

Laut ſagte er nun, und ſeine Stimme war gepreßt von innerer Bewegung:

Sprich zu mir, meine Geliebte, ich liebe Deine Stimme, jeder Ton derſelben bebt durch meine Seele.

Soll ich Dir ſagen, daß ich Dich liebe?

Er lächelte, aber ein Krampf packte ſeine Bruſt und er antwortete nichts.

Geliebter, flüſterte ſie,ich gedachte eben jenes Abends, des erſten Abends, den ich hier mit Dir verlebte. Wir ſaßen auch ſo nebeneinan⸗ der beim matten Lampenlichte. Mein Ernſt, Monde ſind ſeitdem vorübergezogen, der Frühling, der Sommer mit ſeinen Blüthen iſt entſchwunden, der