Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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daß Sie nicht bald, meiner überdrüſſig, der Schau⸗ ſpielerin nacheilen würden? Nein, Sie müſſen öffentlich und entſchieden mit ihr brechen, von Ih⸗ nen muß der Bruch ausgehen, Sie müſſen ihr zeigen, daß Sie ſie verſchmähen, nur dann bin ich die Ihre. Aber mit einer Schauſpiele mag ich den Platz in Ihrem Herzen nicht theilen Hören Sie mein letztes Wort. Bringen Sie mir morgen die Gewißheit, daß die Minden von Ihnen ſelbſt Ihre Bewerbung um meine Hand erfahren hat, und augenblicklich bin ich bereit, mit Ihnen vor den Altar zu treten, bleibt es bis mor⸗ gen, ſo wie es iſt, ſo werde ich nimmer die Ihre. Und mit einer ſtolzen Verbeugung hatte ſie ſich entfernt.

Gerade dieſer Stolz hatte ihr inniger noch ſein Herz gewonnen, denn ſie glich ihm ſelber da⸗ rin.Ein ſo ſtolzes Weib wird eine treue Gattin ſein, ſagte er, und ahnte nicht, daß die liſtige Dame ihn längſt durchſchaut, und daß ſie wohl

erkannt, wie ſehr ihn ein ſolches Benehmen an

ſie feſſeln mußte.

Unmuthig und geplagt von Vorwürfen und unbeſtimmten Plänen ging er auf und ab. Eine öffentliche Erklärung verlangt ſie, ſagte er;wie ſoll ich die ihr geben? Wenn doch

jetzt Carl käme, wenn er mir rathen könnte!

Da trat, als hätte er des Freundes Verlangen

errathen, Carl zu ihm ein.