Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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Stirn zu verſcheuchen, es wollte ihr nicht im⸗ mer gelingen, ſo ward auch ſie trübe und ſtill, und weinte oft in der Einſamkeit bittere Schmer⸗ zensthränen.

Doch hütete ſie ſich wohl, ihn dieſe ſehen zu laſſen.Ich mag Dich nicht weinen ſehen, hatte er einſt geſagt, und ſo hatte ſie für ihn ſtets ein freundliches Lächeln und heitere Worte.

Er aber dachte: ſie ſieht meinen Unmuth und meine finſtere Stirn, und dennoch kann ſie heiter ſein und lachen und ſcherzen. So täuſche ich mich wohl, und ihre Liebe mag nicht ſo gar tief ſein. So entfernte er ſich immer mehr, denn wenn die Liebe nicht mehr dieſelbe iſt, mißverſteht man ſich ſo leicht!

So verging die Zeit; ſchon ſprach man öffent⸗ lich von des reichen Grafen Bewerbung um die ſchöne Gräfin Cäcilie Koller, und man erzählte ſich ſogar, Haltern habe ihr ſeine Hand angetra⸗ gen, ſie aber habe entgegnet:nur wenn die Schauſpielerin Ihr Haus verläßt und Sie auf immer ſich losſagen von ihr, nur dann gehört Ihnen meine Hand. Wird er es thun, wird er es nicht thun? dieſe große Frage beſchäftigte die Damen und Herren in den Salons, und durch⸗ lief bald auch die Reihen der ehrſamen Bürgersleute. Emilie ahnte von dem Allen nichts.

Sie liebte ihren Ernſt noch immer mit derſel⸗ ben Liebe, ſie ahnte nicht einmal, daß ſie die Ur⸗