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als er ſie mit verdoppelter Zärtlichkeit an ſein Herz drückte, gleichſam als wolle er durch leiden⸗ ſchaftliche Liebkoſungen den gemachten Schmerz ihr vergüten,— da dachte ſie nicht mehr der vergan⸗ genen trüben Stunden, und innig an ihn ge⸗ ſchmiegt, ſprach ſie zu ihm von ihrem Glück und ihrer Liebe.
Ach, und dennoch war dies Glück ihr für im⸗ mer entflohen. Ernſt war nicht immer mehr hei⸗ ter und liebevoll, ſein Gewiſſen war es, was ihn marterte. Sein Herz war von Natur edel, und wenn er ſie, die er vernichten wollte, ſo ſtrahlend von Glück vor ſich ſah, wenn er ſich ſagen mußte, daß ihre große Seele auch nicht eines Funkens von Argwohn fähig wäre, dann fühlte er alle Qualen der Reue und des Mitleids, und in dem Beſtreben dieſe zu unterdrücken, zu betäuben, ſtürzte er ſich immer tiefer in Schuld und Vergehen. Und wie ein finſterer Dämon ſtand Carl ihm zur Seite, durch ſeinen Hohn, ſeinen Spott ihn immer mehr von Emilien vertreibend, durch die Erzählung von Cäcilits glühender Leidenſchaft für Haltern ſeiner Eitelkeit ſchmeichelnd und ihn ſtachelnd zum Siege über ſie.
In dieſem Zwieſpalte ſeiner Seele verlor ſich ſeine Heiterkeit,— er war oft neben Emilien ſtill, oft finſter und mürriſch.
Umſonſt ſuchte ſie durch Zärtlichkeiten ihn zu
echeitern, durch Witz und Scherz die Falten ſeiner †


