Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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Emilie ſank wie vernichtet zuſammen.Iſt es möglich? hauchte ſie leiſe,das war mein Ernſt, iſt er wirklich fort?

Stumm faltete ſie die Hände, ihr Auge ſtarrte zur Erde und Leichenbläſſe überzog ihr Geſicht. Gleich dem vom Blick des Baſilisken getroffenen Vögelchen, das feſtgebannt iſt an dieſen furchtbaren Blick, und nun mit gelähmten Flügeln, wie be⸗ zaubert, das Verderben vor ſich ſehend, ohne Willen ihm zu entrinnen, bebend, nicht mehr wei⸗ chen kann, ſo ſaß ſie da, ohne Bewegung, wie ein bleiches, todtes Marmorbild.

Dann löſte ſich der Krampf, langſam rollten einige Thränen über ihr Geſicht, floſſen dann ra⸗ ſcher und raſcher, und nun brach ſie in lautes Weinen aus. Aber mit der Gewalt des Schmer⸗ zes ſchien auch ihr Unmuth zu ſchwinden.

Warum weine ich? fragte ſie ſich ſelber. Verdient mein Ernſt ein ſolches Mißtrauen? Liebt er mich nicht? Hatte er nicht recht? Ja gewiß, gewiß, er mußte ſo handeln, ſeine Ehre fordert es. Man ſoll nicht glauben, daß ich ihn beherrſche. Er hak recht, ſagte ſie dann ganz freudig, und ich danke es ihm, daß er nicht ſchwach war, ſeiner Liebe nachzugeben, wo es ſeine Ehre galt.

So entſchuldigte ihr edles, vertrauensvolles Herz den, den ſie liebte. Als Ernſt nach einigen Stunden zurückkehrte,