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Ernſt's Geſicht überflog eine dunkle Glut. „Wagen? Wie ich es wagen könnte?“ fragte er zürnend.
Carl ſah ſpöttiſch lächelnd ihn an und reizte dadurch den Stolzen nur noch mehr.
„Du wirſt ſehen, ob ich es wagen kann,“ ſagte er.„Warte einen Augenblick, ich kehre ſo⸗ gleich zurück, um mit Dir zu gehen.“ Schnell eeilte er fort zu Emilien.
Sie ſaß ernſt und ſinnend in ihrem Cabinete, — bei ſeinem Anblicke ſchreckte ſie empor.— „Du da?“ fragte ſie zärtlich.
„Ich muß Dir für heute Lebewohl ſagen, Emilie; Geſchäfte rufen mich fort.“
„Verreiſen willſt Du?“ fragte ſie erſchreckt.
„Nicht doch, Emilie, ich muß,— doch nein, ich will Dir die Wahrheit ſagen. Ich gehe auf den Ball zur Gräfin Koller.“
„Dn?“ fragte ſie ungläubig lächelnd.„O geh, Du wrillſt mich necken.“
„Nein, nein, ich muß. Die Ehre fordert es.“
„Die Ehre?“ fragte ſie.
„Carl meinte,“ fuhr Ernſt fort,„ich würde es nicht wagen, ihn zu begleiten, Du würdeſt zürnen.“
„Und Deines Freundes Meinung gilt Dir mehr, als das Beiſammenſein mit mir nach langer Trennung?“ fragte ſie erbleichend.
„Sprich nicht ſo,“ ſagte er faſt verdrießlich, küßte leicht ihre Stirn und eilte wieder fort. 8


