Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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noch und blickt mich zärtlich an, wie ſonſt, und ſiehſt Du, mein Bild iſt darin. Die Naſe, ſagte ſie, und fuhr ſchäkernd mit dem Finger über die⸗ ſelbe hin, ach dieſe ſchöne Naſe. Und der Mund, er iſt noch ſo heiß, ſo glühend, wie ſonſt. Ja, Du biſt es, Du ſo wie Du warſt. Und nun ſprich, daß ich Deine Stimme höre! Ernſt lächelte und ſchwieg.

Du willſt nicht? fragte ſie.Hat Dich meine Berührung verzaubert? Warte nur, ich werde Dich erlöſen. Und ihn unmſchlingend, preßte ſie ihn feſt an ihr Herz.

Theure, Einzige, ſtammelte er unter Küſſen, Dich lieb' ich, Dich allein!

Und er ſprach Wahrheit in dieſem Augenblicke, er liebte ſie wirklich! Ach, warum mußte die Welt, warum mußte Eitelkeit und Stolz ihn Dir wie⸗ der entreißen, Emilie! O hätteſt Du fliehen können, fliehen, weit fort von der Welt, hätteſt Du Dich mit ihm verbergen können in die Einſamkeit und Stille Deines freundlichen Waldthales, viel⸗ leicht, vielleicht wäre er Dir dann geblieben!

Und nun ſage mir, Geliebter, wie kommt es, daß ich Dich ſchon hier finde? fragte ſie. Die gleiche Frage gebe ich zurück.

Du haſt recht, mein Ernſt. Es hielt mich nicht länger in Waldthal. Schnell war mein Ent⸗

ſchluß geſaßt, ich eilte Fück. Es ſchien mir,

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als ſei ich Dir näher hier, mein Ernſt, und ich