Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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dachte es mir ſchön, Dir morgen bewillkommnend entgegenzutreten. Da haſt Du meine Gründe. Und Du?

Könnte mich etwas Anderes hergezogen ha⸗ ben? fragte er.

O mein Geliebter, jubelte ſie,kann wohl ein größerer Einklang der Seelen gedacht werden. Selbſt unſere Gedanken ſind Eins, wie unſere Seelen es ſind!

Und wieder umfaßten ſie ſich innig und feſt. Sie bemerkten es nicht, wie ſich die Thür leiſe öffnete und Graf Carl haſtig eintrat. Sein lautes Lachen ſchreckte ſie auf.

Delicieuse, mein Freund, rief Carl und machte Emilien eine halb ſpöttiſche Verbeugung. Du biſt unverbeſſerlich, immer ein zärtlicher Adonis. Ich ging vorüber und hörte von Deinem Diener, daß Du ſchon zurückgekehrt, da wollte ich Dich fragen, ob Du mich nicht zur Gräfin Koller begleiten willſt, ſie hat Soirée heute Abend.

Ernſt war aufgeſtanden und hatte ſich ärger⸗ lich abgewandt. Es verdroß ihn, daß Carl ihn als zärtlichen Liebhaber überraſchte, ja er ſchämte ſich faſt vor dem ſpöttelnden Freunde.

Emilie aber konnte den Anblick des Mörders

ihrer Freundin, der ſo heiter und ſorglos daſtand,

nicht ertragen. Ich gehe hinauf, wandte ſie ſich an Ernſt, Du kommſt wohl ſpäter zu mir.