Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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unten ein Wagen, hielt vor der Thür. Ernſt trat ans Fenſter. Es iſt Emilie, ſagte er ärgerlich, und doch klopfte ſein Herz lauter und freudiger, und doch konnte er nicht ſein Verlangen beherrſchen, es zog ihn hin zu ihr. Er ſtürzte hinaus. Sveben trat ſie in die Hausthür. Ernſt, rief ſie, und er hatte die Arme geöffnet, und ſie ruhte an ſeinem Herzen, ſelig, ſtumm, und immer feſter drückte er ſie an ſeine 3 Bruſt, und immer heißer preßte er ſeinen Mund auf ihre Lippen. Alles, Alles war vergeſſen, und noch einmal umarmten ſich über ihnen die Geiſter der Liebe. Er zog ſie in ſein Zimmer und zu ſich nieder auf den Divan. Sie ſprachen nicht, ſie fragte nicht einmal, warum auch er ſchon hier. Sie wußte nur, ſie hatte ihn wieder, er war wie⸗ der neben ihr, wozu auch fragen. Sie legte ihre Hand auf ſein Herz und fragte: 5

Schlug es für mich?

Weißt Du es nicht? ſagte er ſgelud.

O wohl, mein Ernſt! Und ſie neigte ſich an ſeine Bruſt, und blickte lächelnd zu ihm auf.

Emilie! rief er.

Still, ſagte ſie, und drückte leicht ihre Hand auf ſeinen Mund.Still, ſprich nicht! Ich muß Dein Geſicht ſehen, ob noch jeder Zug unverän⸗ dert. Ja, die Stirn, ſie iſt noch frei und hoch und klar, wie ſonſt. Das Auge, es leuchtet