Wäre aber der Geiſt etwas Abſtractes, rein Göttliches, ſo dürfte er nie durch körperliche Zu⸗ ſtände getrübt werden.— Durchſchneidet man Jemand die Pulsadern, und läßt ihn verbluten, ſo ſtirbt er, und mit dem rauchenden Blutſtrahle flieht die Seele davon. Liegt ſie im Blute, oder im Gehirne? Was iſt Geiſt, was iſt Seele?“—
„Morgen, morgen, mein Ernſt, morgen bin ich wieder bei Dir. Holder, Lieber, Einziger, mor⸗ gen habe ich Dich wieder, höre ich wieder Deine liebe Stimme, ſehe wieder in Dein liebes Auge! Ach, ich kann nichts denken, als morgen!— O Gott, welche Seligkeit gewährt das Leben! Mir iſt oft ſo bange ums Herz,— mir iſt, als müßte ich plötzlich dies Glück miſſen.»Noch Keinen ſah ich fröhlich enden, auf den mit immer vollen Händen, die Götter ihre Gaben ſtreun!«— O nein, Du Geiſt dort oben, Du, der Urquell
aller Liebe, Du wirſt mir mein Glück nicht ent⸗
reißen, das Du ſelber mir gegeben. Es kann nicht, kann nicht ſein! Die Erde iſt ja gemacht, um darauf glücklich zu ſein, um zu lieben! Nein, mein Geliebter, ich drücke Dich feſt an mein Herz, nichts ſoll Dich mir entreißen. Das Glück bleibt uns treu, wenn wir nur treu bleiben, und— wir werden es.— Klopft nicht Dein Herz höher bei dem Gedanken an morgen? Ernſt, laſſe mir
—
den ſüßen Glauben, daß jede Frage meiner Bruſt


