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Antwort findet in der Deinen, daß, wenn mein Herz voll Sehnſucht ruft: Ernſt! das Deine ant⸗ wortet: Emilie!— Es iſt wahr, die Liebe iſt voll Egoismus und Härte. Siehſt Du, es würde mich beglücken, zu wiſſen, daß Du voll Sehnſucht, voll ſchmerzlichen Verlangens meiner gedenkſt, daß die Tage Dir langſam und freudelos vergehen ohne mich, — ſollte ich nicht eigentlich wünſchen, daß Du heiter und ſorglos wäreſt ohne die peinigende Sehnſucht?— Ich kann's nicht, mein Geliebter,— zu ſolcher Höhe ſchwingt ſich meine Liebe nicht auf!
Weißt Du, Ernſt, daß ich ganz übernommen bin von dem Gedanken, morgen, wirklich morgen Dich wieder zu ſehen?— Ich kann nicht mehr ſchreiben, die Luſt, die Freude läßt mir keine Ruhe, ich eile hinaus in den Garten, beſuche noch einmal alle Plätze, wo ich mit Dir einſt war,— warte, laß mich nachrechnen,— wie lange iſt es her, ſeit wir hier waren? Im fünften Monate! Die ſchöne, liebe Zeit, wie ſchnell iſt ſie verronnen! Was be⸗ ginne ich nun mit dieſen Blättern? Verbrennen?— o nein,— ich bringe ſie Dir mit, und Du lieſeſt ſie und ſiehſt daraus, wie ich ſtets Dein gedacht,— doch, nicht wahr, das weißt Du ohnedies?“


