„Heute habe ich den ganzen Tag im Zimmer verbracht, das Regenwetter hielt mich gefangen. Doch war ich nicht einſam, Du warſt bei mir, und meine Kunſt. Vormittags malte ich, und zwar an einem Bilde meiner eigenen Phantaſie. Ich ſage Dir nichts davon, Du ſollſt es erſt vollendet ſehen. Geliebter, es iſt doch etwas Göttliches um die Malerei, man fühlt ſich mit dem Pinſel in der Hand ſelber ſchaffend,— ja ſelber Schöpfer,— darum liebe ich auch faſt mehr die Malerei als die Muſik. Das Reich der Töne iſt unſichtbar, erſchließt ſich nur dem Geweiheten, und mit verklungenem Geſange ver⸗ hallt ſeine Macht, die Schwingungsknoten des Herzens und des Sandes ſtehen ſtill, ſo wie die Töne enden, die ihnen Leben, Bewegung und Form verliehen. Was die bildende Kunſt ſchaffte, ſteht auf der äußeren Welt ſichtbar da, über Menſchenalter hinaus, iſt Jedem zugänglich,— und die wahre Kunſt ſoll allgemein ſein, dem Hohen wie dem Niedern faßbar. Das iſt es auch, was mir den Muth gab, auf den Bretern zu erſcheinen vor der gaffenden, aus den verſchiedenartigſten Stoffen zuſammengewürfelten Menge. Es war mir nicht um Beifall, oder Lohn,— ich that es um die Kunſt, ich fühlte mich berufen, ihr zu dienen, und durfte nicht an⸗ ſtehen, ihr jegliches Opfer zu bringen, jegliches, auch das der mädchenhaften Schüchternheit,—
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