Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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vom Leben hofft. Ach, das ſtille Glück, das häus⸗

liche Beſchäftigungen, das das Walten im eigenen Hausweſen aks Hausfrau gewährt, das iſt mir auf ewig verſchloſſen.

Nun, ſo ſuchen Sie es zu erlangen, ſagte Solau faſt ungeduldig,heirathen Sie.

Jetzt aber würden mir häusliche Beſchäfti⸗ gungen nicht mehr genügen.

Und doch ſehnen Sie ſich darnach?

Nein, aber ich beklage, daß ich nicht bin wie Andere, ſo gehöre ich keinem Geſchlechte an, ſtehe immer zwiſchen Beiden. Zu ſchwach für das Eine, zu ſtark für das Andere, das mich nicht liebt, weil ich es wagte, mehr zu ſein als ein Weib. Sagen Sie es Niemand, aber ich verachte das weibliche Geſchlecht, dies ſchwache, zagende Geſchlecht, ohne Energie, ohne Feſtigkeit, vergehend und ſich verlierend in den Kleinlichkeiten des Lebens, voll Neid und Mißgunſt. Darum ſtehe ich allein un⸗ ter meinen Mitſchweſtern, ich habe für Keine offe⸗ nes Vertrauen, Keine verſteht mich.

Laſſen Sie mich Ihnen Freund und Freundin ſein, ſprach der Geheimrath und reichte ihr ernſt und liebevoll die Hand dar.Vertrauen Sie mir.

Und thue ich es nicht? fragte ſie ſanft lächelnd, und legte einen Angenblick ihr glühendes Geſicht auf des Greiſes Schulter.Sie verſtehen mich, denn Sie ſind ein Mann, und ich fühle ſtark und kräftig wie ein Mann.