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„Griſeldis,“ fiel Solau ihr ins Wort,„die Sie ſo wunderbarlich uns darſtellen. Und nun, liebes, holdes Weſen,“ fuhr er mit väterlich zärtlichem Tone fort,„nun ſagen Sie dem alten Freunde, iſt denn das Herz noch wirklich frei?“
„Frei?“ fragte ſie nach einer Pauſe:„Nein, es gehört der Kunſt, und glauben Sie mir, es iſt wohl gut, daß es ſo iſt. Ich fühle zuweilen, daß mich die Liebe, wenn ſie mich packte, vernichten könnte. Ach, laſſen Sie mir dieſe Himmelsruhe,— warum das brennende Feuer, das verſengt, zerſtört? Ich mag noch nicht ſterben. Das Leben iſt ſo ſchön, ſo ſchön der Frühling. Glauben Sie mir, ich habe eine faſt unbeſiegbare Sehnſucht nach meiner lieben Einſamkeit, nach meinem freundlichen kleinen Landgute. Ach, wäre ich erſt dort! Fern von dem Geräuſch der Stadt, von den Menſchen, die mich tödten mit ihrem Lob und ihrer Be⸗ wunderung.“
Sie war aufgeſtanden und ſchritt ſchnell im Zimmer auf und ab. Ihr Auge blickte leuchtend geradeaus, als ſchaue es entzückt in eine ſchöne Landſchaft, ihr Buſen hob ſich höher, ihr Athem ging ſchneller. Der Freund aber, mit dem beweg⸗ lichen Charakter Emiliens ſeit lange vertraut, blickte lächelnd der holden Schwärmerin zu, die jetzt halb ſinnend vor ihm ſtehen blieb.
„Laſſen Sie ſich ſagen, lieber Solau,“ ſagte ſie dann faſt flüſternd,„ich werde niemals wieder


