Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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kennen, liebſtes Fräulein. Das Vergeſſen und Verſchmerzen iſt gar ſchwer, iſt unmöglich.

Nein, ſagte Euilie ernſt und richtete ſich ſtolz auf,nicht unmöglich wer ernſtlich will, der kann jegliches Gefühl bekämpfen, denn er iſt ein Menſch, das mächtigſte, höchſte Weſen in der Schöpfung.

Und dies Weſen, Gnädigſte, das Löwen zähmte, das das wilde Roß zu bändigen wußte, das der Hyäne Wuth zerbrach, dies ſelbe Weſen unterlag nur zu oft ſeinen eigenen Leidenſchaften. Sollte die gefühlvolle Emilie, die mit ſo hinreißen⸗ der Kunſt die Liebe dauftellt, die Liebe ſingt, allein nicht an ihre Macht glauben?

Nein, das ſei fern von mir, ſagte Emilie ſchnell, und ihre Wange fürbte ſich höher, und ihr Auge ſtrahlte glühender.Nein, ich glaube an dieſe Liebe, die freudig in Tod und Elend geht, um des Geliebten willen, die, ſich ſelber vergeſſend, nur in dem Geliebten lebt, von dieſem allein Glück und Unglück empfangen kann. Ich halte mich ſelbſt einer ſolchen Liebe ſogar fähig. Glau⸗ ben Sie mir, wenn ich auf der Bühne ſtehe, und wenn mein Mund die Worte höchſter Liebe und

Zärtlichkeit ſpricht, mein Herz fühlt ſie mit. Ich

vergeſſe dann, daß es nur Spiel iſt, ich bin dann, was ich nur ſcheine; der Geiſt, der aus mir redet, bemächtigt ſich meines eigenen Geiſtes, und dann liebe ich wirklich ſo heiß, ſo hingebend, wie