Teil eines Werkes 
11. Theil (1860) Die Künstlerin : Roman / von L. Mühlbach
Entstehung
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Gemach, gemach, mein lieber Graf, rief Baron S.,wahrhaftig, noch immer der Alte, noch dieſelbe Leidenſchaft, dieſelbe Glut. Mein Himmel, das wird ein Feuer werden, wenn dieſer holde Zephyr die ſchlummernde Glut anfacht. Da werden Flammen ſchlagen, Blitze zucken. Ich ſehe ſchon das ganze Ungewitter heranziehen. Morgen wollen wir zu ihr gehen. Sie empfängt nur Morgens von eilf bis zwei Uhr Beſuch, und nie den Einzelnen. Der Salon iſt alsdann Zedem geöffnet, der kommen mag; die Geſellſchaftsdame läßt Zeden eintreten, und erſt wenn mehrere verſammelt ſind, ruft ſie die holde Königin.

Und dann iſt es ein Neigen und Kämpfen, fiel Wilhelm lachend ein,Jeder möchte gern der Erſte ſein, ihre Hand zu küſſen, ſie zum Sopha zu führen, nach ihrem Befinden zu fragen.

Zetzt lachſt Du, ſagte Carl halb ärgerlich, und keiner ſeufzt mehr bei ihr, wie eben Du.

Nun ja, ich leugne nicht, ich liege im Netze, wie alle Uebrigen, und unerhört, wie Alle.

Alſo auf morgen, ſagte Ernſt,und ver⸗ geſſen wir jetzt die ſtolze Zauberin, damit nicht Eure Laune ſchwinde. Gedenken wir der Ver⸗

gangenheit und der froh verlebten Stunden.

Wie iſt es, Carl, noch immer nicht Deinen Eigen⸗ ſinn aufgegeben, noch immer das Mädchen ver⸗ ſchmähend, die Dein Papa Dir erwählte?