Die Vorleſung.
Am nächſten Abend verſammelte ſich in den Ge⸗ mächern der ſchönen Barbara von Caſtlemaine eine glänzende Geſellſchaft. Der höchſte Adel, ja ſelbſt die ſtolzeſten und tugendhafteſten Damen verſchmäheten es nicht bei dieſen Soirsen der königlichen Geliebten zu erſcheinen und derjenigen ihre Ehrfurcht zu bezeigen, welche, wenn auch nicht den Titel, doch die Macht einer Königin beſaß, und deren gnädiges Lächeln oder unwilliges Stirnrunzeln bedeutender und gefährlicher war, als das des Königs ſelber, denn man wußte ſehr wohl, daß Barbara immer herrſchte und regierte, der König aber nur dann, wenn Barbara es ihm er⸗ laubte.—
Heute Abend alſo hatte es der königlichen Ge⸗ liebten gefallen, ſtatt der rauſchenden Feſte eine geiſt⸗ reiche Soirse zu geben.
Wir wollen dieſen hocherlauchten Ladies, und dieſen tugendhaften Herzoginnen, welche mich im Herzen verwünſchen, während ſie ſich bis zur Erde vor mir neigen, wir wollen ihnen zeigen, daß wir nicht bloß lachen, ſondern auch ernſt und geiſtreich ſein können, ſagte Barbara. Wir wollen ihren Lordſchaften, die bei jedem zweideutigen Wort ſittſamlichſt erröthen, und dadurch unzweideutig ihr ſehr gutes Verſtändniß der leiſeſten Anſpielung beweiſen, heute die Mühe ſolchen Erröthens erſparen, und heute Abend einmal eine Aspaſia ſein. Gebt mir alſo ein dunkles Ge⸗ wand, ich will mir das Anſehen einer Matrone geben,
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