Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

163

Catalina, welche Dich liebt, und welche kein anderes Loos begehrt, als Dir ihr ganzes Leben zu weihen! Oh, vergieb mir, Albert, vergieb mir dieſen Betrug, zu welchem die Liebe und die Verzweiflung mich ver⸗ leitete.

Sie nahm ſeine herabhängende Hand und bedeckte ſie mit ihren Thränen und ihren Küſſen.

Unten rollte eben mit lautem Gedonner ein Wagen aus dem Hof des Hotels.

Albert erwachte aus ſeiner dumpfen Betäubung. Er ſtieß die Knieende zurück, und ſtürzte zum Fenſter hin. Es iſt ihr Wagen! ſchrie er zähneknirſchend. Sie hat mich heimtückiſch verrathen, ſie iſt eine elende Betrügerin.

Nein! ſagte Catalina, welche ſich von ihren Knieen erhoben hatte. Nein, ſie iſt ein edles und großes Weib, welches ſich weder von dem Reichthum, noch von den glühenden Schwüren eines Meineidigen verlocken ließ, welches es für eine heilige Aufgabe hielt, Der⸗ jenigen beizuſtehen, welcher Bu geſchworen, daß ſie Dein Weib ſein ſollte, und welche ſich mit ihrer ganzen Seele Dir ergeben hat! Es ſoll Niemand in meiner Gegenwart meine Retterin ſchmähen dürfen.

Und indem ſie ein verſiegeltes Papier aus ihrem Buſen zog, fuhr Catalina fort: hier iſt ein Brief Aphra's, mit dem ſie Dir ihr Lebewohl ſendet. Lies ihn! Ich gehe indeß zu meinem Knaben. Wenn Du geſammelt genug biſt, dann komme, um Dein Weib und Dein Kind in Dein Haus zu führen. Meine Ehre und die Ehre meines Sohnes bedurfte dieſer Genugthuung.

Langſam und ſtolz verließ das junge Weib das Zimmer. Albert blickte ihr nach mit dem Ausdruck des Zorns, und ein wilder Fluch trat auf ſeine Lippen.