Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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ihrer Phantaſie empfinden läßt. Sie nahm Theil an den glänzenden Feſten, welche man unter dem Schat⸗ ten der Nacht in den Gemächern der Gräfin Caſtle⸗ maine feierte, ihre Lippen ſprudelten über von fröh⸗ lichen Scherzen und heitern Neckereien, und dennoch wohnte eine tiefe, unermeßliche Traurigkeit auf dem Grunde ihres Herzens, ſie vermochte ſie wohl zu über⸗ täuben, aber niemals ſie zu ertödten; ſie lebte in ihr inmitten der Feſte, ſie klagte in ihr, während ihre Lippen lächelten.

Doch gab es auch für Aphra noch heilige und ſchöne

Stunden, Stunden in welchen ſie mit den glänzenden

Gewändern und den funkelnden Diamanten auch ihre glänzende Luſtigkeit und ihre funkelnden Blicke von ſich abſtreifte, und mit ernſter Seele und ernſtem Geſicht gleichſam wie umgewandelt erſchien.

In dieſen Stunden ihres edleren und höheren Selbſtbewußtſeins war ſie allein. Niemand war bei ihr, als ihr guter Genius, und Niemand ſah ſie, als Gott allein. Das waren die Stunden, in welchen ſie heimlich, von Niemanden begleitet, in den unſchein⸗ baren, dunkeln Gewändern früherer Tage das Hotel des Herzogs von Buckingham verließ, und ſich in die kleine und ſtille Dachkammer begab, welche ſie früher bewohnt, und welche ſie auch jetzt noch ſich gleichſam als ein Aſyl der Ruhe, eine ſtille Inſel des Friedens aufbewahrt hatte. Dort war Alles geblieben, wie es ſonſt geweſen, da ſtand ihr einfaches, ſchmales Bette mit dem weißen Linnenbezug und den ärmlichen Vor⸗ hängen von geſtreiftem Kattun, da hing dieſer kleine, zerbrechliche Spiegel über der alten, wurmſtichigen Kommode, welche einſt ihre wenigen Habſeligkeiten barg, da ſtand ihr einfacher Schreibtiſch mit dem höl⸗ zernen Dintenfaß, Alles war noch wie ſonſt, und