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2 Aphra erbebte, wie im Fieberfroſt. Ihr Antlitz nahm einen drohenden, faſt wilden Ausdruck an, und ihre Lippen zitterten vor innerer Erregung.
Wenn Sie das gethan hätten, rief ſie mit gewal⸗ tiger Stimme, wenn Sie dieſen kannibaliſchen Muth gehabt, dann—
Sie unterbrach ſich plötzlich, und ein ſeliges Lächeln flog wie ein Sonnenſchein über ihr Angeſicht. Der
ouverneur folgte ihren leuchtenden Blicken, ſie be⸗ erkte weder ſein Beobachten, noch ſein grauſames e Sie blickte immer noch hinunter in den Hof und auf die Sclaven. Dieſe hatten plötzlich inne gehalten in ihrem Geſange, ſie hatten die geſenkten Häupter empor gerichtet, und ihre Augen heſteten ſich auf den, welcher ſo eben in ihren Kreis getreten.
Oronooko! flüſterte Aphra unwillkürlich, indem ſie mit einem glücklichen Lächeln zu ihm hinunter blickte. Der Jüngling da unten bemerkte ſie nicht, er durch⸗ ſchritt mit ſtolzen gemeſſenen Schritten den Kreis, während die Neger die Kniee vor ihm beugten, und mit ehrfurchtsvollem Gruß ihn empfingen. Wie ein König war er anzuſchanen, dieſer Negerjüngling. Stolz und Hoheit ſtrahlten von ſeiner Stirn, und ſein Auge war blitzend und hell, wie das Auge eines Adlers. Seine hohe Geſtalt war nur von einem kurzen, vom Gürtel bis zum Knie reichenden Gewande verhüllt, und ließ daher das ſeltene Ebenmaaß ſeiner Glieder und die Schönheit ſeiner Formen erkennen.
Der Neger war in die Mitte des Kreiſes getreten, und indem er ſeine raſchen, feurigen Blicke auf die in athemloſem Schweigen ihn umſtehenden Neger rich⸗ tete, begann er anfangs mit leiſer, klagender Stimme, bu immer lauter, immer mächtiger zu ihnen zu reden.


