Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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Männern anſchmiegten. Dieſe hatten inzwiſchen einen großen Kreis rings um den Platz geſchloſſen, und ſangen ihr ſchauerlich melancholiſches Klagelied weiter. Wiſſen Sie, wen ſie beweinen? fragte der Gou⸗ verneur das junge Mädchen, welches mit gefalteten Händen, geſenkten Hauptes neben ihm ſtand, und wehmuthsvoll auf die armen Sclaven niederblickte. Sie ſchüttelte verneinend das Haupt. Der Gouverneur betrachtete ſie mit lauernden Blicken. Sie kennen doch den Cäſar, welchen dieſe albernen

Schwarzen den König Oronvoko nennen? ſragte er.

Das junge Mädchen fuhr, wie von einem furcht⸗ baren Schreck getroffen, empor, und ihre Wangen übergoſſen ſich mit Todesbläſſe. Als aber ihre ent⸗ ſetzten Blicke den lauernden, ſchadenfrohen Angen des Gouverneurs begegneten, faßte ſie ſich ſchnell, und nahm wieder ihre vorige gewohnte Ruhe an.

Es wäre ſehr unklug und ſehr unpolitiſch von Ihnen, wenn Sie den Prinzen getödtet hätten, ſagte ſie, denn Sie hätten alsdann gegen Ihren eigenen Vortheil gehandelt. Sie ſagten zuvor, Ihre Sckaven ſeien die fleißigſten Arbeiter! Woher kommt das? Weil der Prinz Oronooko ſie zur Geduld und zum Fleiße ermahnt, und weil das edle Beiſpiel, mit wel⸗ chem er ihnen vorangeht, indem er mit freudigem Muthe ſich den härteſten Arbeiten unterzieht, ſie anſpornt, ihm nachzueifern. Nein, nein, Sie werden niemals den Muth haben, Den zu tödten, deſſen bloßes Daſein ſh die Treue und Ergebenheit Ihrer Selaven ichert!

Und wenn ich es nun doch gethan hätte? fragte der Graf, indem ſeine Augen ſie faſt zu durchbohren ſchienen.