Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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Traurig, geſenkten Hauptes, zogen die Sclaven einher, und wunderbar ſchauerlich tönte der einförmige, me⸗ lancholiſche Geſang, mit welchem ſie ſich naheten.

Sie ſingen ein Todtenlied! rief das junge Mädchen entſetzt, ich kenne dieſe Weiſe, Cäſar hat ſie mich ge⸗ lehrt. Es iſt das Klagelied um einen gefallenen Freund. Sie haben alſo wieder einen armen Selaven zu Tode prügeln lafſen?

Der Gonverneur begegnete dem zornigen Blicke Aphra's mit ruhigem Lächeln.

Miß Aphra Johnſon, ſagte er kalt, ſo lange Sie nicht einwilligen, Ihren Namen zu wechſeln, und ſtatt den Ihren den meinigen anzunehmen, ſo lange

kann ich Ihnen nicht das Recht zugeſtehen, über die innern Angelegenheiten meines Haushaltes eine ent⸗ ſcheidende Stimme zu haben. Es iſt wahr, man nennt meine Aufſeher ein wenig hart, grauſam ſogar, aber dafür arbeiten meine Sclaven auch mehr und länger, als die aller übrigen Plantagenbeſitzer, und meine Aecker und Ländereien ſind die ſchönſten und wohlgepflegteſten in ganz Surinam.

Sie ſind mit Blut gedüngt! ſagte Aphra ſeufzend.

Der Gouverneur zuckte leicht die Achſeln. Wenn das ein gutes Düngungsmittel iſt, ſagte er, ſo thun meine Aufſeher wohl, es dann und wann anzuwenden.

Der Zug der Sclaven hatte jetzt den großen Platz vor dem Hauſe erreicht. Aus den Hütten, welche rings denſelben umgaben, ſchlüpften mit freudigem Willkommengruß die Kinder und die Weiber hervor, welche Krankheit oder andere Beſchäftigungen heute von der Feldarbeit fern gehalten. Aber die Heimge⸗ kommenen achteten nicht auf ſie. Fort und fort tönte ihr trauriger Geſang, in welchen die Weiber und Kinder einzuſtimmen begannen, indem ſie traurig ſich den