Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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Aphra richtete ſich höher auf, ihre Augen flamm⸗ ten, und ein ſtolzes, verächtliches Lächeln trat auf ihre Lippen. Ich fürchte nicht Ihren Zorn, ſondern nur Ihre Liebe, Graf Banniſter, ſagte ſie. Ach, Ihr Zorn! Weshalb ſollte ich zittern vor dem? Es iſt wahr, Sie können mich in Feſſeln legen, Sie können mich martern laſſen, wie Sie es Ihren armen ſchutzloſen Sclaven thun, aber es iſt ſchöner von Ihrer Grau⸗ ſamkeit zu ſterben, als lebend mit Ihrer Liebe ge⸗ geißelt zu werden!

Mein Gott, rief der Graf faſt verwundert, wes⸗

halb haſſen Sie mich denn?

Weshalb ich Sie haſſe! ſagte ſie mit einem ſchmerz⸗ lichen Lächeln. Schauen Sie umher in dieſem Lande, das einſt vom Himmel mit ſeinem ſchönſten Liebesblick geſegnet zu ſein ſchien, Sie haben dieſes Eden ver⸗ wandelt in eine fluchbeladene Stätte der Greuel, das Paradies iſt geblieben, aber ſtatt der Menſchen haben Sie die Gottheit daraus vertrieben, und die Men⸗ ſchen ſind zurückgeblieben, um mit todeswunden Glie⸗ dern und blutender Bruſt ihre Hände zum Himmel empor zu ringen, und ihn zu fragen: ob denn da droben kein Gott mehr wohne, der ihres Jammers ſich erbarme, und Mitleid habe mit ihrer Qual!

Während ſie, ganz glühend von Erregung und ſchmerzlichem Zorn, ſo ſprach, war es lebendig ge⸗ worden auf dem großen Platze, der vor dem Land⸗ hauſe ſich ausbreitete. Die Arbeit des Tages war zu Ende und in einem langen Zuge kehrten die Selaven heim von den fernen Zuckerplantagen, auf denen ſie gearbeitet hatten. Wie ein großer Leichenzug bewegte dieſe dunkle wogende Menſchenmaſſe ſich vorwärks, nur daß ſtatt der Ceremonienmeiſter mit dem ſilbernen

6 Stabe die Aufſeher mit den Peitſchen voran ſchritten.