Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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Lange nicht im Beiſein Anderer wiederſehen. Eine faſt nervöſe Ungeduld hielt Conſtanze den ganzen Tag in unaufhörlicher Bewegung. Das mindeſte Geräuſch, welches dem Rollen eines Wagens glich, verurſachte ihr heftiges Herzklopfen. Sie hoffte, Jacobo zu ſehen. Er konnte es unmöglich unter⸗ laſſen, nach Sturesjö herüberzukommen; aber der Tag verging, und der Abend folgte, ohne daß Con⸗ ſtanze's Hoffnung ſich verwirklichte.

Ach, ich Thörin! dachte ſie,daß ich glauben konnte, in dem eiſigen Herzen dieſes Mannes finde ſich Etwas von meinen warmen Gefühlen; nein, Alles iſt bei ihm kalter Verſtand. Verſtand! wiederholte ſie halb lächelnd,es iſt kein Beweis von ſonderlichem Verſtand, daß er mich liebte; und dieß hat er gethan. Thut er es noch? So ſieht es nicht aus.

Conſtanze ging zur Ruhe mit niedergeſchlagenem Gemüth, wie es immer geſchieht, wenn unſere Hoff⸗ nungen uns täuſchen.

Am Morgen, als ſie erwachte, befand ſich auf ihrem Nachttiſch ein ausgezeichnet ſchöner Blumen⸗ ſtrauß, und daneben lag ein Brief.

Conſtanze erbrach ſogleich das Siegel und las:

Es iſt Nachts zwei Uhr, da ich zu Hauſe an⸗ lange, und mein erſter Gedanke iſt bei Ihnen. Thor⸗ heit in meinem Alter, ſich ſo an eine Frau zu ſeſſeln, daß man eine fieberhafte Ungeduld empfindet, bis man ſie wieder ſieht. Stunden können vergehen, ehe das geſchehen wird, darum ſchreibe ich. Meine Frage iſt jetzt nicht;Iſt die Freundin treu geblie⸗

ben? Das weiß ich; ihre Briefe haben es mir