Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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griff war, ſich anzukleiden, trat Friedrich in ſein Zimmer und meldete:

„Ein Reiſewagen hält vor dem Hauſe und eine Dame, welche ihren Namen nicht angeben will, wünſcht die Frau Baronin zu ſprechen.“

„Ah, endlich!“ murmelte Evert für ſich. Ein Blitz der Freude flog über ſein Geſicht. Zu dem Diener ſagte er:„führe ſie in den Salon.“

Er kleidete ſich ſchnell an und eilte von ſeinem Zimmer aus ihr entgegen.

In demſelben Augenblick, da er in den Solon

trat, wurde einer hochgewachſenen, ſtattlichen Dame

die Thüre gegenüber geöffnet. Einen Augenblick be⸗

trachteten Evert und ſie einander; darauf ging er

auf ſie zu und ſagte artig: „Welche angenehme Ueberraſchung, Dich endlich zu ſehen, Conſtanze! Das war eine Freude, auf

welche ich nicht zu hoffen wagte. Ich weiß kaum,

wie ich Dir dafür danken ſoll.“

Er faßte Conſtanze's Hand und wollte ſie an

ſeine Lippen führen; dieſe aber zog ſie mit einer ſtolzen Bewegung zurück.

„Mein Beſuch in der Hauptſtadt gilt nicht Ihnen, Baron Axelhjelm, ſondern ich will blos meine Schwe⸗ ſter ſehen und ſprechen. Der Brief von Ihnen hat mich auf ſchreckliche Weiſe über das aufgeklärt, was ſie ſo ſorgfältig zu verbergen ſucht...“

„Deßhalb darfſt Du Olga nicht tadeln,“ unter⸗ brach ſie Evert mit einem Lächeln und in ſpotten⸗ dem Ton.„Es geht nicht ſo leicht, ſelbſt einzuge⸗ ſtehen, daß man ſeine Pflichten als Gattin verrathen und die Achtung vor denſelben mit Füßen getreten