Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

37

Sie ſchaute zu Jacobo auf. Er ſtand vor ihr, den Blick auf ihren Hut geheftet. Conſtanze er⸗ röthete. Vor ihrer Erinnerung ſtand der Augenblick, wo ſie die Feder von einem ſolchen heruntergenommen hatte, weil ſie nicht nach Jacobo's Geſchmack geweſen war. Es ſagte ihr Etwas, daß auch er jenes Abends gedachte.

„Entſchuldigen Sie, mein Fräulein, ich hörte nicht auf das, was Sie ſagten,“ äußerte Lange zur Erwiederung auf Conſtanze's Worte.„Ich erinnerte mich ſo lebhaft einer vor etlichen Jahren vorgefallenen Scene auf dieſer Veranda hier, daß ich die Gegen⸗ wart darüber vergaß. Man ruft ſich zuweilen gern die Thorheiten ins Gedächtniß zurück, welche einſt unſerer Einbildung geſchmeichelt haben.“

„Thorheiten?“ wiederholte Conſtanze.

„Thorheit, Fräulein Callenſtjerna, iſt Alles, was nicht auf dem Grunde der Vernunft beruht.— Ge⸗ ſtatten Sie, daß ich rauche?“

Er ſtellte lächelnd dieſe Frage und nahm eine Cigarre heraus.

Es lag Etwas in dem Ton, das Conſtanze ver⸗

wundete. Sie vermochte nicht zu antworten, ſon⸗ dern nickte blos bejahend mit dem Kopf. „Wie gefällt Ihnen das Wiederſehen der ſchwe⸗ diſchen Fichtenwälder, nachdem Sie ſo viele Jahre in einem mildern Klima mit einer mehr lächelnden und feſſelnden Natur verweilt haben?“ fragte Ja⸗ cobo, indem er ſich an einen der Pfeiler lehnte.

„Mein Vaterland iſt und bleibt mir immer der ſchönſte Fleck der Erde,“ erwiederte Conſtanze, welche ſich bemühte, den gleichgültigen Ton anzunehmen,