„Ja, gewiß, mein Kind, wenn man wie ich das Un⸗ glück hat, nur Proſaiſt zu ſein, und nicht Poet wie Du.“
Olga erröthete, und Jvar, welcher nicht ein ein⸗ ziges Mal ſich an ſie gewendet hatte, ſagte nun mit einer gewiſſen Ironie im Tone:
„Das Fräulein iſt alſo Dichterin?“
Olga ſah auf, heftete ihre Augen auf ihn und ant⸗ wortete mit einem Ausdruck von Wahrheit und Würde:
„Der Onkel beliebt zu ſcherzen. Man iſt darum noch kein Dichter, daß man eine lebhafte Einbildungs⸗ kraft hat. Ich fühle eine warme Sympathie für Dichter, das iſt Alles.
Der ironiſche Ausdruck verſchwand von Jvars Lippen, und er bemerkte in gleichgültigem Ton:
„Alle jungen Damen ſympathiſiren mit den Dichtern.“
Er wandte ſich nun an Conſtanze mit einer Frage in Bezug auf Rom.
Einige Minuten darauf ſchlug Stephana eine Promenade vor. Der Abend war herrlich, und der Vorſchlag fand allgemeinen Beifall.
Die Damen entfernten ſich, um ihre Hüte und Mantillen zu holen. Jacobo blieb inzwiſchen ganz allein auf der Veranda.
Conſtanze, welche zuerſt fertig war, kam auf die⸗ ſelbe hinaus, ohne zu ahnen, daß Jemand da war. Sie trug einen einfachen Schäferhut auf dem Kopf. Als ſie Jacobo gewahr wurde, blieb ſie einen Augen⸗ blick ſtehen, trat aber dann ſchnell an das Geländer vor und ſagte:
„Ich fürchtete, die Letzte zu ſein, finde aber zu meiner Ueberraſchung, daß ich die Erſte bin.“


