Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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Dichtung zur Seite gedrängt und verlor allen Werth. Wenn wir zu einer vollkommenen intellektuellen Ent⸗ wicklung gelangen, werden Poeten und Romanſchrift⸗ ſteller verſchwinden.“

„Iſt der Herr Archikekt ein ganzer Wilder?“ fiel Olga ein, welche ihm mit ſehr ausdrucksvollem Ge⸗ berdenſpiel zugehört hatte;„die Poeſie iſt ja das Schöne im Leben, und ſo lang das Schöne exiſtirt, wird auch ſie beſtehen.“

„Ja, ſie, aber nicht die Poeten. Wir werden einmal ſo weit kommen, daß wir die Poeſie in der Wirklichkeit ſuchen und nicht glauben, daß ſie ſich nur in den Ausſchweifungen einer zügelloſen Phantaſie findet.“

„An dem Tage, wo die Welt zu einem ſolchen Verſtandeshoſpital würde, da wäre ich Gott dankbar dafür, wenn ich aus derſelben abſcheiden könnte.

Das Leben müßte ja zu einer ordentlichen Laſt werden.

Ja, ich geſtehe es, die abſcheulichen Sophismen des Herrn Architekten haben mir förmlich übel gemacht. Es iſt gräßlich zu denken, die Menſchen könnten ſolche Naturaliſten werden, daß ſie einzig und allein in der Wirklichkeit Leben und Weſen haben.“ „Frinnere Dich, was ein ausgezeichneter franzö⸗ ſiſcher Denker ſagt,“ fiel Hermann lachend ein. Ver⸗ nunft fängt gewöhnlich an, wo die Phantaſie auf⸗ hört; die erſtere geht immer gerade aus, wo die lettere den möglichſt großen Umweg nimmt.— Cs liegt eine große Wahrheit in dieſen Worten. Folg⸗ lich muß die Menſchheit durch den totalen Sieg der⸗ Vernunft über die Phantaſie gewinnen.“ „Onkel,“ rief Olga heftig,„iſt es möglich, daß Du in vollem Ernſt ſo ſprichſt?“ „ 3