Teil eines Werkes 
1. Theil (1826) Das Verhängniß / von Fr. Laun
Entstehung
Einzelbild herunterladen

120

mas. Beſſer ſpät als niemals! antwortete Ri⸗ chard. Wenn ihr auch gerade nicht der beſte Freund der Franzoſen ſeyd, ſo werdet ihr euch doch die Wahrheit eines ihrer Sprichwoͤrter gefallen laſſen. Ohne alles Arg folgte hierauf mein Gemahl dem Koͤnige, der uns auf das Freundlichſte ſeine Ruͤckkehr verſprach. Er hat auch Wort gehalten. In einem Sarge iſt ſein einbalſamirter Leichnam wirklich in Plaſhy angekommen. Am Schlage ſoll er geſtorben ſeyn auf dem Schloſſe zu Calais, und doch zeigt der ſehr verletzte Hals ganz deutlich, daß er erwuͤrgt wurde. Laut auf den Straßen und Plätzen dieſer Stadt will ich das ausſchreien und den Namen des koͤniglichen Moͤrders dazu. Was hat wohl die Mutter zu furchten, der man den Vater ihrer Kinder auf ſo buͤbiſche Weiſe entriß? Was die Kinder davon, daß ihnen auch eine Mut⸗ ter ermordet werden kann, die uͤber jene heilloſe That ohnehin bereits den Verſtand verlor? Wahr⸗ lich die Trauerkleidung, wohinter der ſchaͤndliche Norfolk die That zu bergen ſuchte, die er, als Be⸗ fehlshaber von Calais, ſelber veruͤbte, ſoll dem nie⸗ drigen Henker abgeriſſen werden vor allem Volk! Hier aber ergriffen Fieberſchauer die Herzo⸗ gin ſo heftig, daß ihre Frauen gerufen wurden,