Teil eines Werkes 
2. Theil (1826) Das Verhängniß / von Fr. Laun
Entstehung
Einzelbild herunterladen

mit ihrem Begleiter voruͤberkamen. Ein unge⸗ woͤhnlich großer Volkshaufe umringte hier eine Frau im mittlern Alter, welche von der Hoͤhe eines benachbarten Brunnens die Rednerin ſpielte. Ihrer Kleidung war der Stand nicht wohl an⸗ zuſehen, in den ſie gehoͤrte. Sie beſtand aus ſei⸗ denem, aber ſtark abgenutztem Zeuge, nach vor⸗ nehmen Schnitte, ſo daß ſie ſolche eben ſo gut in glucklichen Verhaltniſſen bereits getragen, als ſie, ſchon verfallen, zum Geſchenk erhalten haben konnte. Bis zum Furchtbaren bleich wurde ihr Geſicht durch das ſchwarze Haar, das, ungebun⸗ den, Schlangen gleich, ſolches umgab, und die wilden Blitze aus den tiefliegenden Augen. Auch ihre Rede ließ es zweifelhaft, ob das Gemeine in derſelben ihr eigenthuͤmlich oder nicht vielmehr zu deſto ſicherer Wirkung auf den Haufen, dem ſie galt, von ihr war angenommen worden.

Was iſt euer Troſt in ſolcher Noth' ſprach ſie eben, als die Koͤnigin auf dem Platze anlangte. Einzig der, daß der Himmel ſolche Frevel nicht ungeſtraft laſſen kann. Denn ein Hirte ſoll pflegen und ſchuͤtzen die Heerde, die ihm anvertrauet worden und nicht Wolle und Nahrung zugleich ihr nehmen und dann von ihr