Teil eines Werkes 
2. Theil (1826) Das Verhängniß / von Fr. Laun
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

das gute Herz der jungen Monarchin erfuͤllte, trat die Ueberzahl der Nothleidenden in den Weg. Statt, wie ſie gewollt, auf eingezogene Erkundi⸗ gung, einzelne trauernde Familien aufzuſuchen und ihnen ein Rettungsengel zu werden, reichten den Ankommenden uͤberall Maͤnner, Weiber und Kin⸗ der, zum Theil halbnackt, die Hände bettelnd ent gegen. Erſt die Nacht zuvor waren die frechſten Bubenſtuͤcke in einem weiten Umkreiſe von Lon⸗ don veruͤbt worden, und um mehrere, ihrer ganzen Habe beraubte, mitunter auf das Grauſamſte ver⸗ ſtuͤmmelte Menſchen, und zuweilen ganze Fami⸗ lien, ſtand das Volk in Haufen verſammelt. Wie aufmerkſam und thaͤtig auch die umherreitenden Conſtabler waren, um die Ruhe zu erhalten, ſo ließen ſich doch die gegen die Regierung und na⸗ mentlich gegen ihr Oberhaupt, den Koͤnig, ausge⸗ ſtoßenen Verwuͤnſchungen nicht einmal ahnden, weil Jedermann in ſolche einſtimmte. Die mei⸗ ſten Gerichtsperſonen ſogar ſchienen dieſe Schmaͤ⸗ hungen nicht ungern zu hoͤren und beſchränkten ihr Amt einzig auf die Verhinderung eines foͤrm⸗ lichen Aufſtandes.

Dieſer ſchien ziemlich nahe vor der Pauls⸗ kirche, bei der jetzt eben die geängſteten Damen