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Erzählungen von Friedr. Laun, Carl Streckfuß, Gustav Schilling und Friedr. Kind
Entstehung
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nem goldenen Sonvenir ein elfenbeinernes Täfel⸗ chen und ließ es mich leſen. Die zierlich mit Sil⸗ berſtift geſchriebenen Worte waren:

O wie bald, wie bald verblühen

Roſen in des Maien Schein!

Wenn im Herbſt die Aſtern blühen,

Julia, dann denke mein.

Dann begann die Fürſiinn mit unendlicher Wehmuth in Blick und Stellung zu mir aufs neue: Als die Aſtern wieder blühten, war ſie nicht mehr! Nun dann dieſe ahnungsvollen Worte, die ich treu in meinem Buſen bewahrt habe, dieſe Worte, die jetzt, da Marianens Tochter vielleicht doch durch meine Vorſorge für ſie unglücklich werden könnte, wie ein Zuruf, wie eine Warnung, wie ein zärtli⸗ cher Vorwurf von oben, aus dieſem Aſterkranze mir entgegen tönten wie iſt es möglich, daß Sie und Alfonſine davon wiſſen konnten 2

Ich war zu beklommen, durch die mir wieder⸗ fahrne Huld zu gerührt, um von dem, was ein wunderbares Spiel des Zufalls mir gewährte, ei⸗ nen unrechtmäßigen Gebrauch zu machen; ich er⸗ zählte der Fürſtinn ſchlicht und einfach die ganze Begebenheit auf dem Altane und dann im Garten; doch die Rede ſtrömte ja aus vollem Herzen ich ſprach zugleich mit einem Feuer, daß ſie über meine heißeſte Liebe zu Alfonſinen, ſelbſt über die Erwiederung dieſer Liebe, nicht den mindeſten Zweifel laſſen konnte. 2