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Erzählungen von Friedr. Laun, Carl Streckfuß, Gustav Schilling und Friedr. Kind
Entstehung
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259 nen und auch aſle von mir ausgeſtellte Gemählde in den Gartenſaal ſchaffen zu laſſen. Es hieß, die Für⸗ ſtinn wolle mit meinen zwey Jagdſtücken ihrem Gemahl ein Geſchenk machen.

Mir war alles ſo ziemlich gleich; doch warf ich mich in recht ſolide Kleidung und beſchloß, auch im übrigen meine Sonderlingsnatur, wie ihr ſie zu nennen pflegt, ſo viel nur immer möglich, im Zaume zu halten.

Doch wahrlich, dießmahl wurde mir dieß leicht! Die Fürſtinn gehört zu den erlauchten Damen, in deren Gegenwart jedem Gebildeten wohl wer⸗ den muß; der Nymbus einer drückenden Hoheit verſchwindet faſt in den erſten Augenblicken; man hat ſich ihr kaum genähert und muß ſie nicht bloß an⸗ bethungs⸗, ſondern ſelbſt liebenswürdig finden.

Ich zeigte denn meine Hirſch- und Entenjagd vor; indeß ſchien ſie nur aus Gefälligkeit dabey zu verweilen und nur von der treuen Nachahmung der Natur, nicht von dem Gegenſtand, angezogen zu werden. Ich las es deutlich in ihren Blicken, daß ſie nach dem ihr entzogenen Gemählde verlange,

obſchon ſie mit aller Feinheit der höhern Stände

nicht die mindeſte Unruhe zeigte.

Endlich, nach manchem Schrikt vor⸗ und rück⸗ wärts, deutete ſie auf das dritte, noch verhüllte Gemählde, meine emporſchwebende Heilige; ich zog das Tuch hinweg und die Fürſtinn ſank, nach einem ſtarr auf das Bild geworfenen Blick, den