3.
Daß nach Alfonſinens Entfernung meines Bleibens bey der werthen Geſellſchaft nicht eben lange war, könnt ihr wohl denken. Ich machte mich zu Fuße auf den Heimweg, konnte mir es aber nicht verſagen, im Vorbeygehen bey dem Kloſtervogt an⸗ zuſprechen.
Es ſing ſchon an zu dämmern. Die alte Aus⸗ geberinn meinte,„der Herr Kloſtervogt ſey aus Verdruß über den Krakeel“— Adelun gs Schat⸗ ten verzeihe der Duenna dieſen Provinzialismus, den ich ſchreibe, wie ſie ihn ausſprach— noch zu Pfarrers gegangen; die Mamſel aber werde wohl drinn ſeyn.“— Mich beßel Wonne und Zittern. Ich ſollte ſie allein ſehen— jetzt— jetzt und allein! Meine Hand bebte am Stubenſchloß; ich öffnete. Alfonſine ſtand vor dem Spiegel und hatte ſich eben ausgekleidet; die Aſtern lagen noch vor ihr auf dem Tiſchchen; ſie warf überraſcht, halb erſchrocken, ein großes Scharlachtuch um ſich.
„Liebe Alfonſine!“ rief ich und ſchlang raſch, meiner ſelbſt nicht mächtig, meinen Arm um ſie— „liebe Alfonſine! Sie ſind doch wohl?“
Ihre noch erhitzte Wange ruhte ſanft an der meinigen; auch ſie zitterte; ihr Buſen ſchien den eng umſchließenden Gaſche mir faſt zu durchſchlagen; ſie wollte ſich von mir losmachen, doch ohne es zu vollbringen.—„Mein Vater iſt ausgegangen, Was


