15 nicht aushalten. Ich muß lebendige Geſellſchaft um mich haben, und da ich um dieſe Zeit ſo leicht keine Menſchen finde, recht oft mit Halbmenſchen vorlieb nehmen.
„Das iſt ſehr traurig. Und wohin wollen Sie
jetzt 2“ „Wohin es ſey, nur nicht in meine Wohnung. Die Nacht iſt ſo herrlich, ſo ungewöhnlich warm für die Jahreszeit, daß ich ſie wohl im Freyen zu⸗ brächte, wenn ich einen Geſellſchafter hätte.“
„Der könnte ich ſchon ſeyn!“ verſetzte ich.
„W ten Sie, Lieber“ rief er mit Herzlichkeit, und bald darauf gingen wir wirklich.
Es war gewiß das erſte Mahl in meinem Le⸗ ben, daß ich zur Winterszeit, kurz vor Mitternacht meine Wohnung verließ, um— einen Spatziergang im Freyen zu verſuchen. Wirklich ſemmte ſich mir auch die Betrachtung der Seltſamket des Einfalls bey jedem Schritte entgegen. Ich hette indeſſen den feſten Vorſatz, mich der Laune des weuen Freundes dießmahl völlig hinzugeben und des Ende abzu⸗
warten, ob ich ſchon um ſo wenige begriff, was
wir, als reine Spatziergänger, mit der langen Racht anfangen wollten, da er ſeit dem erſten Schritte aus meinem Hauſe ſo ſtumm gewo'den war und
ſich ſo ſchüchtern umſah, als ob es iberall für ihn
etwas zu fürchten gebe. Bis zum äußern Thore hatte er ſich ganz mei⸗ ner Leitung überlaſſen, als ich aber hier nach der


