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Nachdem Lady Wentworth dieſe Worte geſprochen, neigte ſie ſich abermals über den Sarg, um ihre Liebkoſungen und ihr Schluchzen wieder zu beginnen und Suſanne wußte nicht, ob ſie ſie aufheben ſollte oder ob es nicht menſchlicher wäre, ſie auf dem Todten, den ſie in ihre Arme drückte, ſterben zu laſſen, als plötzlich die ganze Scene eine andere Geſtalt gewann.
»Bei allen Furien der Hölle!« ſchrie Jeffreyhs, indem er plötzlich in die Capelle hereinſtürmte,„was geht denn hier vor? Was machen dieſe Frauen hier und warum iſt dieſer Sarg geöffnet worden? Und vor allen Dingen, wer hat ihn geöffnet? Ohne Zweifel biſt Du es geweſen, erbärmlicher Mar⸗ tins! Gut. Ich werde Dir zu geben wiſſen, was Dir gehört. Was Euch betrifft, Ihr ſchönen Betrübten, wer hat Euch denn erlaubt hierherzukommen? Ha, beim Gott Cupido, es iſt Suſanne! Ja, meiner Treu, ſie iſt es ſelbſt! Nun brauche ich freilich weiter nicht zu fragen, wie Ihr hierherkommt und wer Euch das Thor dieſer Kirche geöffnet hat. Ha, Chiffinch, Chiffinch, mein Freund, Du fängſt an, mit deinen Schwächen deiner Geliebten gegenüber ein wenig gefährlich zu werden. Doch, es mag ſeyhn— um euretwillen, Suſanne, will ich ein Auge zudrücken. Aber dieſe andere Dirne, welche da auf der Leiche liegt und weint, wer ſie iſt, wenn ich fragen darf? Ich will wiſſen, wer ſie iſt! Ich würde etwas Anſehnliches darum
geben, wenn ſie die Perſon wäre, die ich in ihr vermuthe.«
Indem er dieſe Worte ſprach, näherte er ſich mit ſeiner
gewohnten Rohheit Henrietten, legte trotz des Widerſtandes,
den die Irländerin ihm entgegenzuſetzen bemüht war, ſeine Hand auf Lady Wentworth's Schulter, rüttelte ſie und rief in drohendem Tone:


