114
beißt und mit ſpöttiſcher Miene lächelt, denn die Frauenzimmer ſpotten über ihre beſte Freundin, wenn ihre Eigenliebe im Spiel iſt. Ninie ſagte, ſie eſſe gerne Krapfen, könne ſie aber nicht machen, was bei mir ebenfalls der Fall iſt. Indeſſen circulirt ein Theil der Krapfen, man begießt ſie mit weißem Weine, welcher zu Auſtern gut wäre, mit dem die Jungfern aber ſehr zufrieden waren, und den ſie durchaus nicht ſparten. Ich trinke aus Ninie's, Dubois aus Charlottens Glas, die drei Andern bedienen ſich des dritten noch übrigen Glaſes. Zur Würze des Mahls ſingt Dubois Schelmenlieder, denn eine Romanze hätte in dieſem Augenblick keinen Genuß verſchafft;
nach Dubois mußte ich ſingen, und jede Jungfer gab der Reihe nach ein Liedchen Preis: auch hier trägt die
muthwillige Laura den Sieg davon, denn Ninie hat faſt keine Stimme, die dicke Manette hat einen tiefen Tenor,
die große Amata näſelt und Charlotte ſingt falſch.
Ueber dem Concert wird aber das Gaſtmahl nicht vergeſſen. Jemand hält beſtändig den Pfannenſtiel; die Griſetten haben immer guten Appetit! ſie kennen
jenen guten Ton nicht, nach welchem man einen deli⸗
katen Magen vorgibt, ſie ſtopfen ſich mit Krapfen voll, Dubois ſchenkt ihnen unaufhörlich ein, und bald wirkt der weiße Wein, alle die jungen Mäd⸗ chen wollen ſprechen, und da keine von ihnen Ge⸗
duld hat, zu warten, bis die andere ſchweigt, ſo ſpre⸗ chen, ſingen, ſchreien, ſpringen ſie alle auf einmal; man hört ſein Ser Wort nicht mehr und lacht
immerfott.


