Teil eines Werkes 
1. Th. (1845)
Entstehung
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Ich ſehe voraus, wir werden während der Zwi⸗ ſchenakte und vielleicht während des Stückes das Ver⸗ gnügen haben, das Geſpräch dieſer zwei Damen zu hören, welche zwar nicht geſtoßen ſein wollen, ſich aber durchaus nicht geniren, Andere zu ſtoßen. Es ſind übrigens zwei junge Frauenzimmer, deren Züge ziemlich angenehm ſind; doch welch Unterſchied zwi⸗ ſchen jener Dame, welche vorher kam! Ganz rothe Wangen, glänzende Augen, glühender Mund, bei all dem aber ein gemeiner Ausdruck, nichts Geiſi⸗ volles, nichts Feines.

Ich beuge mich mit dem Kopfe ein wenig vor und möchte gerne von Zeit zu Zeit jene ſchöne Dame, welche ich bloß halb geſehen habe, betrachten. Ich ſitze gerade hinter ihr: ſie trägt einen Hut, was für die Theaterbeſucher das größte Leid iſt; ich verwünſche den Hut, nicht weil ich vor ihm einen großen Theil der Scene nicht ſehe, ſondern weil er mir den An⸗ vlick jenes Antlitzes raubt, deſſen Ausdruck mir auf der Stelle gefallen hat. Ich möchte gerne wiſſen, ob der Reiz, mit Muße betrachtet, immer derſelbe iſt: es gibt ſo viele Dinge, welche, um zu gefallen⸗ nicht lange gemuſtert ſein wollen.

Man rührt ſich nicht und bleibt ruhig ſitzen; ich glaube zu bemerken, daß man nur einſilbig dem jungen Nachbar links antwortet, welcher ein Geſpräch anzufangen ſucht, aber gekränkt durch die geringe Erkenntlichkeit für den von ihm abgetretenen Platz der Dame am Ende den Rücken kehrt und ander⸗ wärts hinlorgnirt.